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En:dissertation:biographische_lern-_und_bildungsprozesse_im_handlungskontext_der_computernutzung

Biographische Lern- und Bildungsprozesse im Handlungskontext der Computernutzung (PhD Thesis) ­čçę­čç¬

Reference

Knobelsdorf, Maria: Biographische Lern- und Bildungsprozesse im Handlungskontext der Computernutzung. Dissertation, Freie Universit├Ąt Berlin, 2011

Publication

Abstract

In der Informatikdidaktik wird ein sozial-konstruktivistisches Verst├Ąndnis von Lehr-Lern-Prozessen generell geteilt. Eine im Kontext des Sozialkonstruktivismus erfolgreiche Gestaltung des Informatik-Unterrichts (IU) ist wesentlich davon bestimmt, inwiefern an die Perspektive der Lernenden und ihre Vorgeschichte angekn├╝pft werden kann. Die Einbeziehung der Lernenden setzt dabei eine Kenntnis dar├╝ber voraus, was f├╝r diese bedeutsam und von Interesse ist und wie sich diese Aspekte jeweils herausgebildet haben. Bisherige Forschungsans├Ątze in der Informatikdidaktik fokussieren jedoch haupts├Ąchlich auf inhaltliche und methodische Aspekte informatischer Bildung in der Schule. Hier wurden unter anderem Unterrichtskonzepte und interaktive Lernumgebungen fachdidaktisch entwickelt und empirisch evaluiert. Die Untersuchung der Vorgeschichte der Lernenden und ihrer Perspektive auf ihren Lern- und Bildungsprozess im Kontext der Informatik fand demgegen├╝ber noch wenig Aufmerksamkeit.

In der vorliegenden Arbeit wird die Vorgeschichte der Lernenden, insbesondere von Informatik-Studienanf├ĄngerInnen, mit einem thematischen Fokus auf die Computernutzung als Teil ihrer Biographie untersucht. Eine solche Untersuchung ist relevant, weil Vorstellungen von Informatik sowohl von AbiturientInnen als auch StudentInnen vielfach auf den Computer, seine Nutzung und Wartung fokussieren. StudienabbrecherInnen der Informatik wiederum nennen als ein Hauptmotiv ihres Abbruchs falsche Vorstellungen bez├╝glich der Studieninhalte. Es bleibt unklar, was die Lernenden mit falschen Vorstellungen jeweils meinen, jedoch kann ein Bezug zu Computer-fokussierten Vorstellungen ├╝ber Informatik vermutet werden. Aus diesen beiden unterschiedlichen Sachverhalten deutet sich insgesamt an, dass aus der Perspektive der Lernenden ein bedeutsamer Zusammenhang zwischen Computern und Informatik besteht. Als Ausgangslage dieser Arbeit wird angenommen, dass ein solcher f├╝r die Lernenden bestehender Zusammenhang keine spontane Verkn├╝pfung von Themen darstellt, sondern sich in einem langfristigen Lern- und Bildungsprozess ausbildet, der ma├čgeblich durch die Computernutzung der Lernenden gepr├Ągt wird. Dabei ist davon auszugehen, dass der besuchte IU eine in diesem Prozess nicht zu vernachl├Ąssigende Rolle spielt. Um diese m├Âgliche Vorgeschichte der Lernenden zu untersuchen, wird ihre biographisch reflektierte Computernutzung und der damit zusammenh├Ąngende Besuch des IUs in dieser Arbeit detailliert erforscht. F├╝r die Untersuchung wird ein empirischer Forschungsansatz vorgestellt, der an die erziehungswissenschaftliche Biographieforschung angelehnt ist und sich methodisch an der Grounded Theory nach Strauss & Corbin orientiert. F├╝r die Erschlie├čung des Forschungsfelds wird das Datenerhebungsinstrument \textit{Computernutzungsbiographie} als Adaption der Lekt├╝rebiographie entwickelt und in zahlreichen Datenerhebungen erprobt und verfeinert. Aus den dabei erhobenen Computerbiographien wird rekonstruiert, mit welchen erinnerten Erlebnissen, Erfahrungen und damit Vorstellungen und Erwartungen rund um die eigene Computernutzung Studienanf├ĄngerInnen ein Informatikstudium aufnehmen und welche Unterschiede es hierbei zu Studierenden anderer Fachrichtungen gibt. Hierbei werden zwei typische Formen biographischer Lern- und Bildungsprozesse herausgearbeitet, die zu einem Modell biographischer Computernutzung verdichtet und am Einzelfall vertieft werden.

Die Ergebnisse dieser Untersuchung zeigen, dass sich in der biographischen Computernutzung ein Lern- und Bildungsprozess entwickeln kann, der einen Weg in die Informatik darstellt. In dieser Entwicklung wird von den Lernenden ein Verst├Ąndnis dar├╝ber aufgebaut, dass das genutzte Computerger├Ąt und die mit ihm zusammenh├Ąngenden Hard- und Softwarekomponenten konstruierte und damit gestaltbare Artefakte sind. Als solche sind sie von anderen entworfen und erzeugt worden und k├Ânnen folglich auch selbst ver├Ąndert oder nachgebaut werden. Die Erkenntnis, dass Teilhabe an einem solchen Erzeugungsprozess m├Âglich ist, schafft einen motivationalen Kontext, in dem die Auseinandersetzung mit Grundlagen der Informatik als sinnvoll erscheint. Wenn der IU an diesen Erkenntnisprozess und die zugrunde liegende Entwicklung zum richtigen Zeitpunkt anschlie├čen kann, spielt er in deren weiteren Verlauf eine wichtige Rolle. Die Untersuchung zeigt, dass der IU insgesamt dann eine pr├Ągende Wirkung auf das Interesse und die Lernbereitschaft der Lernenden hat, wenn er Ankn├╝pfungspunkte an ihre Vorgeschichte anbieten und dabei vor allem ihre Vorkenntnisse und Erwartungen an den Unterricht aufgreifen kann. Die Ergebnisse dieser Arbeit sind damit geeignet, um individuelle Ankn├╝pfungspunkte zu identifizieren und diese durch passende fachdidaktische Ma├čnahmen aufzugreifen.

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